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Soziale Architektur

Gruppenbau mit individueller Note

Wer für Gemeinschaften baut, muss eine Vielzahl von Menschen bedienen, egal ob im Schulbau, im Seniorenheim oder bei einem Kindergartenprojekt. Doch jeder Nutzer eines solchen Gebäudes ist auch eine individuelle Person. Die Ansprüche an „Soziale Architektur“ sind daher hoch.
Räume für Kinder müssen funktionieren – und sollen einladend sein. © Adobe Stock

Wir sind viele: Und jedermann hat individuelle Wünsche und Bedürfnisse und unterliegt individuellen Bedingungen. Diese lassen sich im Einfamilienhaus meist gut umsetzen. Beim Gemeinschaftsbau allerdings wird die „persönliche Note“ schnell zur Herausforderung. „Soziale Architektur“ muss demnach die Anliegen des Einzelnen mit den Erfordernissen einer Gruppe und eines Gruppenbaus in Einklang bringen.

Zwänge, Normen und Ansprüche

Planung und Ausführung solcher Projekte sind daher mit erheblichen Ansprüchen verbunden. So ist das finanzielle Budget meist eng begrenzt. Schulen, Heime oder Kindergärten dürfen schlichtweg nicht zu viel kosten. Gleichzeitig bestehen fast immer klare Anforderungen an die Grundrissgestaltung, die Ausstattung und die Struktur der Gebäude. Die Größe eines Klassenzimmers ist genauso vorgegeben wie die Anzahl der Waschbecken im Kindergarten. 

Je nach Bautyp müssen zudem spezielle Richtlinien eingehalten werden, vom speziellen Gesundheitsbau bis zum klassischen Seniorenheim. Dieses muss barrierefrei sein, die Sanitärausstattung ist festgelegt, und die Heimmindestbauverordnung will ebenfalls beachtet werden. Im Zuge einer eventuellen Fördermaßnahme kommen häufig noch weitere Anforderungen hinzu.

Häufig ist darüber hinaus die Bauzeit, in der ein „soziales“ Bauwerk entstehen muss, extrem kurz und wenig flexibel. Wer schon einmal einen Erweiterungsbau für eine Schule errichtet hat, weiß, dass kritische Bauphasen bevorzugt in die Ferien gelegt werden müssen. Lärm und Dreck stören den Unterricht. Ein aus Versehen durchtrenntes Stromkabel kann schnell den Betrieb in den Klassenzimmern lahmlegen. Und wegen der Verletzungsgefahr muss nicht zuletzt auch noch sichergestellt werden, dass die Baustelle Schüler oder Lehrer nicht gefährdet. Das erfordert eine durchdachte logistische Planung – sowohl im Vorfeld der baulichen Maßnahmen als auch in deren Verlauf. 
 

Auch die Sanitärausstattung ist in Sozialbauten klar vorgegeben. © Adobe Stock

Die neue Art des Bauens

Bei so vielen Rahmenbedingungen wäre es zwangsläufig am einfachsten, Gemeinschaftsbauten möglichst schlicht und gleichförmig zu errichten. Doch die Menschen, die später in ihnen leben oder arbeiten, wünschen oder brauchen eine Umgebung, die auf ihre individuellen Bedürfnisse ausgerichtet ist. Ein Pflegeheim mag in seinen stationären Einrichtungen zwar einem Krankenhaus ähneln, doch so aussehen soll es nicht. Demenzkranke benötigen Räume, die sie leicht wiedererkennen. Schüler lernen besser in einer Atmosphäre, die nach neuen pädagogischen Erkenntnissen gestaltet ist. Noch komfortabler wird die Situation, wenn ein Gemeinschaftsbau auch noch flexibel ist und sich bei Bedarf einfach umstrukturieren lässt.

All dies erfordert jedoch eine neue Art des Bauens. Es erfordert den individuellen Systembau, egal ob in Form der Modulbauweise, als serielles Bauwerk oder als digital geplanter und gefertigter Einzelbau. Es erfordert optimierte Planungs-, Fertigungs- und Montageprozesse und eine hohe Vorfertigungstiefe, um auf dieser Basis preiswerte und gleichzeitig qualitativ hochwertige Bauwerke zu entwickeln. Werden auf vorgegebenen Leistungsanforderungen Grundrisse konfiguriert, so lassen sich diese schon in der Planungsphase zu Gebäudetypologien konfigurieren und ggf. zu Katalogen zusammenfassen. In der anschließenden Bauphase können dann beispielsweise Systembäder aus vorgefertigten Modulen zusammengesetzt und je nach Wunsch auch flexibel verändert werden. Sogar einzelne Zimmer lassen sich bereits im Werk fertigstellen – Möblierung inklusive.

„Einzigartig“ ausgeführte Gemeinschaftsbereiche oder Fassaden machen es wiederum möglich, die fest vorgegebenen Grundriss- und Gestaltungsstrukturen aufzulockern. So werden auch gleichförmige Räumlichkeiten wieder individuell. Neue digitalisierte Bau- und Planungsmethoden, von CAD-CAM bis zur Robotikfertigung, erleichtern die Umsetzung von Details. Und durch die sogenannte Mass Customization, also die individualisierte Massenfertigung, lässt sich „soziale“ Architektur der Zukunft effizient errichten, ohne dass die persönliche Note verloren geht. Die Kfz-Industrie macht uns vor, wie dies funktioniert: Jedes Auto wird in der Massenproduktion am Band gefertigt – und ist am Ende doch höchst individuell.


Schon gewusst?

Mehr Informationen zum Thema „Soziale Architektur“ finden sich unter www.soziale-architektur.de/magazin-fuer-soziale-architektur.html