© Adobe Stock
© Adobe Stock
Experteninterview

Interview mit Michael Steinbauer, Baustellencoach

Der Weg zur erfolgreichen Baustelle

Michael Steinbauer verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung als Baustellenleiter – 25 Jahre, in denen er viele Baustellen zum Erfolg gebracht und viele Kunden zufrieden gemacht hat. Seit einigen Jahren widmet er sich nun dem Baustellencoaching. Sein Ziel: Handwerkern und Planern zu zeigen, wie eine Baustelle geführt werden muss, um Terminvorgaben und Ordnung einzuhalten, Ärger zu vermeiden und Kosten zu reduzieren. Noch dieses Jahr soll sein Buch erscheinen: „Der Weg zur erfolgreichen Baustelle“.

TAGWERK: Herr Steinbauer, können Sie kurz auflisten, was es für eine erfolgreiche, funktionierende Baustelle braucht?

STEINBAUER:

Für mich ist eine Baustelle dann erfolgreich, wenn sie die beste ist, die sie sein kann. Dazu muss sie hochgradig organisiert sein, und das schon, bevor sie beginnt. Sie muss professionell geleitet werden, im Idealfall durch einen Baustellenleiter, der dauernd anwesend ist und alles im Blick behält. Und schließlich muss sie so sicher sein wie nur irgendwie möglich.

TAGWERK: Wie gehen Sie vor, wenn Firmen Sie beauftragen, ihre Baustelle erfolgreicher zu machen?

STEINBAUER:

Zunächst mache ich mir ein Bild von drei Punkten: den Hilfsmitteln der Baustelle, den Menschen und der Kommunikation. Ich beobachte. Wie ist die Baustelle organisiert? Wo finden die Besprechungen statt? Wo lagert das Material? Was zeichnet die einzelnen am Bau beteiligten Menschen aus, ihre Charaktere, Ausbildungen, Erfahrungen? Machen die Firmen ihre Arbeit? Wie ist es mit den Softskills bestellt? Arbeiten alle miteinander oder jeder für sich? Und gibt es eine übergeordnete Baustellenleitung, die das Ziel vorgibt und die Teams zusammenführt?

Dann spreche ich mit allen Personen, vom Architekten bis zum letzten Bauarbeiter. So finde ich die Ziele jedes Einzelnen heraus und dessen Sicht der Dinge. Habe ich die auf der Baustelle vorherrschende Wertschätzungskette erkannt, erarbeite ich mit den dortigen Führungskräften einen Weg, der sie und damit auch die Baustelle zum Erfolg führt.

TAGWERK: Wie sieht für Sie richtige Baustellenführung aus?

STEINBAUER:

Der Begriff „richtige Führung“ lässt sich am besten am Führungsstil eines erfolgreichen Captains erklären. Fordert dieser nur blinden Gehorsam, ohne auf die Bedürfnisse der Mannschaft zu achten, droht irgendwann möglicherweise eine Meuterei. Leitet er jedoch, indem er die Ziele vorgibt und im Fokus behält, aber gleichzeitig Verantwortung überträgt und Wertschätzung zeigt, hat er Erfolg. Für einen Baustellenleiter gilt das gleiche Prinzip.

Als Baustellencoach begleitet Michael Steinbauer Bauunternehmen und Baustellen auf dem Weg zur sicheren und funktionierenden Baustelle. © Michael Steinbauer

TAGWERK: Welche Hilfsmittel erleichtern eine erfolgreiche Baustelle?

STEINBAUER:

Eine erfolgreiche Baustelle beginnt schon im Vorfeld mit der Abklärung der Baustellenlogistik. Während der Bauarbeiten braucht es eine Steuerzentrale, in der alle Informationen zusammenlaufen, vom Organigramm mit allen notwendigen Telefonnummern bis zur täglich aktualisierten Liste mit den anwesenden Firmen und Arbeitern. Es braucht gut organisierte Baustellenbegehungen. Und schließlich braucht es Baustellenbesprechungen, die effektiv sind und zum Ziel führen.

TAGWERK: Können Sie bitte drei Tipps für solch eine erfolgreiche Baustellenbesprechung nennen?

STEINBAUER:

Es gibt mehrere Regeln, die für eine erfolgreiche Baustellenbesprechung beachtet werden müssen. Eine davon lautet: „Wir kommen vorbereitet zur Besprechung.“ Ich erwarte von jedem, der an der Baustellenbesprechung teilnimmt, dass er im Hinblick auf sein Gewerk auf dem aktuellen Stand ist. Dazu muss er vorher über die Bau­stelle gelaufen sein und sich informiert haben, was seine Handwerker gerade machen und welche Herausforderungen anstehen.

Eine weitere Regel heißt entsprechend: „Geht mich nichts an, gibt es nicht.“ Dies ist deshalb wichtig, weil auf einer Baustelle viele Gewerke zusammenarbeiten. In diesem Regelwerk ist jeder nur ein Zahnrädchen. Daher muss jeder das Problem eines anderen auch als sein eigenes Problem betrachten und dies entsprechend benennen und angehen.

Eine dritte wichtige Regel lässt sich unter dem Motto zusammenfassen: „Die Besprechung ist so kurz wie möglich und so lange wie nötig.“ Dazu muss man wissen, dass eine Baustellenbesprechung grundsätzlich dazu dient, Herausforderungen zu lösen. Sie endet daher immer mit einem Ergebnis. Diese letzte Regel lässt sich, leicht abgewandelt, auf der Baustelle auch auf andere Herausforderungen anwenden.

TAGWERK: Wie heißt sie dann?

STEINBAUER:

Dann heißt sie: „So einfach wie möglich und so kompliziert wie nötig.“ Wer nach diesem Motto agiert, erreicht sein Ziel und löst Probleme, bevor sie entstehen.

Zur Person

Name

Michael Steinbauer

Unternehmen & Position

Automatisierungstechniker, Baustellencoach und Inhaber der Michael Steinbauer Akademie

Fachgebiet

Michael Steinbauer ist gelernter Automatisierungstechniker und hat jahrzehntelange Erfahrung als Baustellenleiter. In seinen Seminaren lehrt er die Grundsätze einer funktionierenden Baustelle sowie den Umgang mit Lieferanten und präsentiert Hilfsmittel für erfolgreiche Baustellenleiter. Darüber hinaus zeigt er, wie sich jede Baustelle mit der von ihm entwickelten Captain-Strategie innerhalb von 14 Tagen auf Kurs bringen lässt.

Publikationen

„Der Weg zur erfolgreichen Baustelle“ (Erscheinungsdatum voraussichtlich im Herbst 2020)