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Praxistipp

Mitarbeiterbindung

MEHR LEISTUNG, WENN DAS TEAM GLÜCKLICH IST

Mitarbeiterbindung ist nicht nur in Zeiten von Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen relevant, denn: Wer gerne zur Arbeit geht, ist gesünder. Ein vertrauensvolles Betriebsklima zu schaffen ist also Chefsache – und Ausdruck guter Führung. Dabei sind es die kleinen Dinge, die punkten. Vorausgesetzt, sie sind ehrlich gemeint.

Das Thema Mitarbeiterbindung kommt oft erst dann auf die Agenda, wenn Stellen unbesetzt bleiben, Mitarbeiter häufig krank sind oder abwandern. Dann ist es jedoch häufig schon zu spät. Besser: Frühzeitig für eine gute Arbeitsatmosphäre sorgen. So kann Fluktuation gering gehalten und Produktivität gesteigert werden.

Mitarbeiterbindung macht das Team besser

Unterschiedliche Studien kommen immer wieder zu der Erkenntnis: Wenn eine Firma aktiv dafür sorgt, dass ihre Mitarbeiter glücklich sind und sich mit ihrem Arbeitgeber emotional verbunden fühlen, sind sie am Ende nicht nur leistungsfähiger – sie sind auch gesünder, schlafen besser und fehlen seltener krankheitsbedingt. Auch sind Betriebe mit zufriedenen Mitarbeitern finanziell erfolgreicher, wie beispielsweise die Universität Split herausfand. Doch was macht Mitarbeiter eigentlich glücklich?

„Emotional hoch gebundene Mitarbeiter zeichnen sich durch Verhaltensweisen aus, die die Leistungs- und Wettbewerbs­fähigkeit von Unternehmen unterstützen.“
Marco Nink, Beratungsunternehmen Gallup, im Engagement Index 2015

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Montags Massage, mittwochs Betriebssport und Firmenwägen für alle? Nein. Vielmehr ist es, abgesehen von einer angemessenen Entlohnung und Entwicklungsmöglichkeiten, die persönliche Wertschätzung, die zu mehr Jobzufriedenheit beiträgt. Deshalb reichen auch kleine, aber aufrichtige Aufmerksamkeiten aus, um seinem Team Anerkennung zu zollen, erklärt Benita von Steinaecker, Beauftragte für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Hannover, auf www.handwerk.de.

10 Tipps, wie Sie Ihr Team glücklich machen


1. Mitarbeiter persönlich begrüßen

Wer seine Mitarbeiter persönlich begrüßt, kann jeden wahrnehmen und gleichzeitig das Signal aussenden: „Mir ist nicht egal, ob und wann Du kommst.“

2. Feedback (weiter-) geben

Sind Kunden zufrieden, sollten Chefs das nicht für sich behalten, sondern weitergeben. Eine lobende E-Mail beispielsweise stärkt ausgedruckt und sichtbar platziert die Identifikation mit dem Unternehmen. Auch mit persönlichem Lob sollten Vorgesetzte nicht hinterm Berg halten – Anerkennung motiviert.

3. Mitarbeiter wahrnehmen

Beschäftigte möchten mit ihren Eigenschaften erkannt und akzeptiert werden. Dabei geht es nicht nur darum, ihnen zuzuhören. Auch ein wertschätzender Umgang mit Vorschlägen sowie die Berücksichtigung individueller Fähigkeiten sind Ausdruck von Anerkennung.

4. Nutzung von Betriebsmitteln erlauben

Materialreste mitnehmen, den Kopierer, Scanner oder die Werkstatt zur Fahrradreparatur am Wochenende nutzen: Diese Vereinbarungen schaffen Vertrauen und funktionieren gut auf Gegenseitigkeit. Denn so sind Mitarbeiter eher bereit, auch mal „aus der Reihe“ etwas für das Unternehmen zu tun.

5. Kostenlose Getränke anbieten

Kaffee, Tee und Wasser: Getränke können als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Zudem ist es eine Erleichterung, wenn das Team nicht jeden Tag eigene Flaschen oder Einweg-Becher vom Bäcker mitbringen muss. Und wer ausreichend trinkt, ist leistungsfähiger. Für unterwegs können firmeneigene To-Go-Becher angeschafft werden.


6. Kommunikation strukturieren

Nichts ist für Mitarbeiter frustrierender, als Kommunikation, die ins Leere läuft. Statt zwischen Tür und Angel sollten Vorgesetzte besser zu festgelegten Zeiten und ohne Druck mit ihren Leuten sprechen, offene Fragen klären und dann umsetzen, was entschieden wurde. Das gilt auch für Probleme. Eine offene, freundliche und strukturierte Kommunikation hilft allen und ver-meidet „dicke Luft“.

7. Snacks anbieten

Das Team wird es danken, wenn Besprechungskekse, Snacks und Getränke nicht nur für Kunden, sondern auch für interne Besprechungen angeboten werden, gerade, wenn diese über die Mittagszeit gehen.

8. Gemeinsam Essen

Spontanes Grillfest im Werkstatthof oder einmal pro Woche Pizza aufs Haus: Gelegenheiten für gemeinsames Essen bieten die Chance, mit dem Team auch inoffiziell ins Gespräch zu kommen.

9. Offen sein für Urlaub und Freizeit

Auch wenn nicht jeder Wunsch erfüllt werden kann: Fragen Arbeitgeber ihr Team aktiv nach ihren Wünschen oder geben sie bei dringenden privaten Terminen auch einmal kurzfristig frei, stärkt das die Bindung ans Unternehmen. Der Grund: Mitarbeiter fühlen sich als Person wahrgenommen.

10. Authentisch sein

Ist die Stimmung schlecht, hilft auch kein Pizzadienst. Das heißt: Ein wohlwollendes und wertschätzendes Betriebsklima sollte selbstverständlich und ernst gemeint sein. Eine positive Unternehmenskultur lässt sich täglich leben, aber nicht auf Knopfdruck forcieren.


Beispiele wie diese gibt es viele. Letztlich müssen Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung natürlich zum Betrieb und zur Belegschaft passen. Eine gute Idee ist es, Ansätze im Team vorzuschlagen oder direkt nachzufragen, was sich Mitarbeiter wünschen. Ein Nordic-Walking-Kurs beispielsweise ist für eine junge Belegschaft vermutlich wenig attraktiv. Und auch wenn man niemanden bevorzugen möchte und sollte, kann es manchmal zielführender sein, Einzelmaßnahmen auf individuelle Bedürfnisse abzustimmen. So freut sich ein frischgebackener Vater vermutlich mehr über flexible Arbeitszeiten als über ein Wochenend-Seminar. Die ältere Mitarbeiterin wiederum ist eher an sinnvollen Fortbildungsmöglichkeiten als an der Betriebskita interessiert und auch der kinderlose Kollege möchte sicher einmal im Sommer verreisen. Solange es fair zugeht und Kompromisse am besten im offenen Gespräch mit allen gesucht werden, stärkt das die Unternehmenskultur und Kommunikation.

Arbeitsfreude fördert Verbundenheit

Laut Engagement Index des Beratungsunternehmens Gallup sind nur 16 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland mit Herzblut bei der Sache. Dabei weisen Arbeitnehmer mit einer hohen emotionalen Bindung weniger Fehlzeit auf, sie sind dem Unternehmen länger treu und empfehlen Dienstleistungen und Produkte des Arbeitgebers eher weiter.