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Aktuelles & Branche

Gesunde Luft

Grundstein modernen Bauens

Schlafen, Arbeiten, Lernen oder Spielen: Menschen verbringen im Schnitt zwei Drittel ihres Lebens in Innenräumen. Ein gesunder Aufenthalt ist damit längst nicht gegeben – gerade die Qualität der Luft ist im Innenbereich oft unzureichend, was die Bewertung von Schadstoffen umso wichtiger macht.

Mit dem Bau oder der Modernisierung eines Gebäudes stehen viele vor der verantwortungsvollen Aufgabe, einen gesunden Ort zum Leben zu schaffen. Hier leistet die Innenraumqualität einen großen Beitrag. Und tatsächlich nimmt der zunehmende Wunsch nach verlässlicher Wohngesundheit immer mehr Planer, Architekten, Handwerker, Vermieter und Bauherren in die Verantwortung.

Ursachen dicker Luft

Auch wenn viele schädliche Substanzen beziehungsweise Emissionen wie Weichmacher, Schwermetalle, PVC, PCB und Biozide unterhalb der wahrnehmbaren Geruchsschwelle liegen, werden zahlreiche Krankheitsbilder mit dem Aufenthalt in Innenräumen in Verbindung gebracht. Das Problem mit Blick auf den möglichen Emissionswert eingesetzter Baustoffe geht vor allem auf die Vielzahl möglicher Produkte zurück: So umfassen baubedingte Schadstoffquellen Dämmstoffe, Fassadenbehandlungsmittel und die Verwendung von Holzschutzmittel ebenso wie den Einsatz mineralischer Werkstoffe zum Brandschutz, Innenausbau oder zur Wärme- und Schalldämmung. Hinzu kommen Fußbodenbeläge, Feuchtigkeitssperren sowie Heizstätten mit offenem Feuer. Schadstoffe können davon abgesehen auch durch eine chemische Reaktion – etwa zwischen Bodenbelag und verwendetem Klebstoff – entstehen. Darüber hinaus beeinflusst die Qualität der Außenluft die Luftqualität im Innenraum: Selbst bei geschlossenen Fenstern und Türen entsteht ein permanenter Austausch zwischen Außen- und Innenluft, etwa über Risse und Mauerwerk. Luftfeuchtigkeit, Mikroorganismen und der Mensch selbst sind weitere Parameter, die ein negatives Raumklima begünstigen.

Den Überblick behalten: Innenraumluft messen und bewerten

Seit Januar 2018 gilt mit der deutschen Fassung der europäischen Prüfnorm DIN EN 16516 eine „Deklarationspflicht für Emissionen aus Bauprodukten für den Innenraum“. Demnach sind viele Hersteller dazu verpflichtet, die Emissionen in der Leistungserklärung anzugeben, die Bauprodukten mit CE-Kennzeichnung beiliegt. Kurzum: Die Bedeutung der Innenraumlufthygiene wächst, was die Messung und Bewertung der Schadstoffe in den Fokus rückt. Gerade bei anstehenden Sanierungsmaßnahmen sollte der Ist-Zustand der Schadstoffbelastung daher umfangreich geprüft werden. Dabei unterstützen offizielle Grenz-, Richt- und Orientierungswerte. Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte (AIR) beispielweise setzt bundeseinheitliche, gesundheitsbezogene Richtwerte (RW I und II) für die Innenraumluft fest, die als Maßstab für die Bewertung der Luftqualität in privaten und öffentlichen Gebäuden herangezogen werden können.

Richtwerte zur Beurteilung der Raumbelastung im Überblick

→ Offizielle Grenzwerte sind sogenannte MIK- und MAK-Werte: „Maximale Immissions-Konzentration“ und „Maximale Arbeitsplatzkonzentration“.

→ Richtwert I und II: RW II bildet die Konzentration eines Stoffes ab, bei dessen Erreichen/ Überschreiten unverzüglich gehandelt werden muss, um eine gesundheitliche Gefährdung abzuwenden. Der RW I wiederum beschreibt die dauerhaft unbedenkliche Konzentration eines Stoffes und kann als Sanierungszielwert genutzt werden.

→ Der WHO-Richtwert erhebt toxikologische Daten für einige wenige Einzelsubstanzen.

→ Die AGÖF-Qualitätsrichtlinien Innenraumschadstoffe (Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute) fokussieren die Bereiche Schadstoffmessungen, Innenraumanalytik, ökologische Produktprüfung, umwelt- und gesundheitsverträgliche Gebäudekonzepte sowie effiziente Energiesysteme.

→ SBM-Werte (Standard der baubiologischen Messtechnik) bewerten die baubiologischen Richtwertempfehlungen für Schlafbereiche

Aktuelle, umfangreiche Informationen zu den Richt- und Leitwerten finden Sie auf den Seiten des Umweltbundesamtes umweltbundesamt.de/themen/gesundheit